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06.05.2018, 20:35 Uhr | Walsroder Zeitung, 04.05.2018
Selbst die Kühe muhen lautstark mit
Angeregtes „Hofgespräch“ mit Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast / Viele Hausaufgaben im Gepäck
Es ist noch ein wenig „maikühl“ vor dem Kuhstall, doch das hält die Gäst nicht davon ab, das „Hofgespräch“ am Mittwochabend bei Familie Kopmann in Wohlendorf zu besuchen. Bratwurst vom Grill wärmt den Magen, danach dürfen sich die Besucher gern die Köpfe heißreden. Denn das Motto des Abends mit Barbara Otte-Kinast, Niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, zu dem der CDU-Samtgemeindeverband Rethem und die Landtagsabgeordnete Gudrun Pieper eingeladen haben, steht unter dem Motto: „Sie haben Fragen? – Wir haben die Antworten!“ Da muhen sogar die Schwarzbunten lautstark aus der Stalltür. 
Wohlendorf - Die Landwirtschaftsministerin, selbst Praktikerin mit eigenem Hof, wird von der Rethemer CDU-Chefin Renate Rodewald angekündigt als „eine Ministerin für uns alle“. Barbara Otte-Kinast berichtet zwischen Getränkebude und Bierzeltgarnitur von ihrer Arbeit in Hannover, vor allem aber vor Ort überall im Land. Das liegt ihr: Gespräche mit den Menschen, die betroffen sind von den Entscheidungen in ihrem Ministerium. Dabei fühlt sie sich wohl: „Ich stehe hier auf dem Hof, ich rieche das Milchvieh“, schwärmt sie. Die Themen sind alles andere als „maikühl“. Die Ministerin muss auch „heiße Eisen“ wie Pflanzenschutzmittel, Düngeverordnung, Naturschutzgebietsausweisungen oder Tierwohl ansprechen. Dabei steht sie selbst vor der großen Herausforderung, den Seiltanzzwischen den Interessensgruppen zumindest zu versuchen. Ein stabiler Draht zu ihren Berufskollegen ist ihr dabei besonders wichtig: „Was Landwirtschaft angeht, ziehen wir hier alle an einem Strang“, betont Barbara Otte-Kinast und versteht gut die Fragen, die Henrik Rump aus Norddrebber stellt: „Wie sollen wir in Zukunft die gute fachliche Praxis leisten, wenn uns die Politik alles wegnimmt? Wie sollen Landwirte in Zukunft arbeiten?“ Gerade beim Thema Glyphosat und dem geplanten Verbot, so die Ministerin, würde sie sich mehr Sachlichkeit wünschen, stattdessen folge auch die Politik dem allgemeinen Bauchgefühl. „Zu verbieten, ohne Alternativen zu haben, hilft der Landwirtschaft nicht“, muss sie zugeben.

Vieles lässt sich nicht vor Ort klären, und so schreibt die Ministerin fleißig mit, vor allem bei den oft negativen Erfahrungen mit der Bürokratie – sei es das fehlende Häkchen beim Online-Formular für die Wirtschaftsdünger-Protokollierung und damit verbundene 125 Euro Strafandrohung, die Hürden bei Baugenehmigungen oder die Kommune, die plötzlich mehr Naturschutz ausweisen will, als von der EU gefordert. „Ich brauche die konkreten Fälle, schicken Sie mir das zu“, fordert Otte-Kinast immer wieder. Gastgeber Simon Kopmann, der den Familienbetrieb mit 330 Milchkühen und 180 Hektar Grünland an der Aller führt und dazu noch einen weiteren gepachteten Betrieb in Stöcken, ärgert sich über die mangelnde Wertschätzung. „Ich finde es richtig geil, was wir hier machen“, sagt er mit Blick auf die Haltung seiner Tiere und die Nahrungsmittelproduktion, für die er schon Auszeichnungen erhalten hat. Dennoch müsse er sich den „Stinkefinger“ zeigen lassen – von Mitmenschen, die gar nicht wüssten, wie die Milch hergestellt wird. Ein Besucher ergänzt: „Ich vermisse die Lautstärke unserer Partei für die Landwirtschaft.“ Da kann Barbara Otte-Kinast nur nicken: „Die Politik muss neben der Landwirtschaft stehen und sich nicht dahinter verstecken oder voranpreschen.“ Der Bogen wird noch weit gespannt beim „Hofgespräch“ von Gülletransport bis zur bienenfreundlichen Verdener Imkersaatmischung. Und so verabschiedet sich Barbara Otte-Kinast vollbepackt aus der insgesamt dann doch eher wohltemperierten „Disku(h)ssion“ in Wohlendorf: mit einer kleinen Auswahl an regionalen Produkten, vor allem aber mit vielen Hausaufgaben für ihr Ministerium. Und sie hat eine Vision: „Die Kinder sollen wieder sagen: ‚Meine Eltern sind Landwirte – und darauf bin ich stolz‘. Dann habe ich alles richtig gemacht.“

aktualisiert von Bollack, 08.05.2018, 08:38 Uhr